Jharna-Kala: Sri Chinmoys lebendige Quellenkunst

Wie drückt ein spiritueller Meister am besten seine mystischen Erfahrungen aus? Sri Chinmoy (1931-2007) tat es auf vielerlei Art: durch Gedichte, durch Musik, durch Sport und durch Kunst. Dieser Artikel behandelt Sri Chinmoys künstlerisches Schaffen.

Am 19. November 1974 in Ottawa begann Sri Chinmoy zu malen. Sein erstes Gemälde stellte eine Rose dar, die später als Emblem seiner Kunst verwendet wurde. Seine ersten Bilder waren Tiere, Figuren, Vögel und Landschaften. Nur mit ein paar Pinselstrichen schaffte Sri Chinmoy Tiere von Charakter und Leben, Blumen und Landschaften, die einem das Gefühl einer frischen neuen Welt vermitteln. Nachdem er 1000 Bilder kreiert hatte, begann Sri Chinmoy abstrakte Bilder zu malen. Die Bilder waren sehr farbenfroh, einfach und spontan. Sie repräsentierten höhere Bewusstseinsstufen. Klarheit und Einfachheit, Präsenz und Bewusstsein kennzeichnen diese formlosen Bilder, von denen es über 150 000 gibt.

Jharna-Kala

Sri Chinmoy nannte seine Kunst „Jharna-Kala“, was soviel wie Quellenkunst heißt, eine Kunst, die aus dem Inneren, wie eine nie versiegende Quelle hervorsprudelt. Die Jharna-Kalas entstanden im Augenblick, der indische Künstler hatte keinen vorgefassten Plan. Die Gemälde passierten einfach dann, wenn der Pinsel oder Schwamm die Leinwand berührte. Sie waren spontaner Ausdruck höherer Welten. „Ich sehe eine innere Lichtsträhne und folge ihr einfach“, kommentierte Sri Chinmoy einmal seine Art zu malen.

Sri Chinmoy arbeitete mit höchster Konzentration und Intensität und gab sich in seinen Schaffensperioden vollkommen dem Fluss der Kreativität hin, sodass er viele Bilder in kurzer Zeit vollendete. Ein Bild entstand nach dem anderen und bis zum 3. Oktober 1975 hatte Sri Chinmoy 100 000 Bilder vollendet, am 16. November 1975 schaffte er 16031 Acrylbilder an einem Tag.

In Sri Chinmoys Kunst finden sich Qualitäten wie Freude, Schönheit und Wahrheit wieder, Konzepte, die man in der postmoderner Kunst vergeblich sucht. Seine abstrakten Bilder sind frisch, offen und einfache Visionen höherer Erfahrungen. Diese Bilder nebeneinander ausgestellt ergeben ein Farbenmeer an berührenden Impressionen und lebhaften Eindrücken. Sri Chinmoy drückte in diesen Bildern vor allem etwas aus: Bewusstsein, ein Bewusstsein, das aus höheren Sphären stammte. Er arbeitete als Kanal des Höchsten. In tiefer Meditation folgte er intuitiv seiner inneren Vision. „Wenn wir uns der Gnade des Supremes übergeben, ist alles möglich,“ sagte er zu einem kreativen Schaffen.

Ausstellungen seiner Jahrna-Kala Kunst gab es unter anderem in der UNESCO, im Carrousel du Louvre in Paris, in der Miro Galerie in Prag, in der Londoner Mall Galerie, in der Nationalgalerie von Ottawa, im australischen Parlamentsgebäude in Canberra, im Nationalmuseum für Dekorative Kunst in Moskau und in der Osaka Friedenshalle in Japan.

Sri Chinmoys Kunst hat weltweit große Beachtung erfahren. Aus den vielen Kommentaren möchte ich einen Stellvertretenden für alle hervorheben: Hans Janitschek, langjähriger österreichischer USA-Korrespendent und Präsident der „United Nations Society of Writers“ sagte: „Diese Werke gehören zu den schönsten und erstaunlichsten Gemälden, die ich je gesehen habe. In Sri Chinmoys Kunst sehe ich die Freude am Erschaffen von Schönheit. Seine Kunst ist das klassische Beispiel dafür, dass Schaffen nicht nur Freude ist, sondern auch Freude sein sollte. Mit seiner Kunst nimmt er diese Freude und teilt sie mit anderen.“

Mehr zu den Jharna-Kala Gemälden unter:
http://www.srichinmoyart.com/deutsch/jharna-kala

 

Anmerkung: Sri Chinmoy hat auch nahezu 16 Millionen zenartige Vogelzeichnungen geschaffen, über die ich einmal in einem separaten Artikel schreiben werde.