Über meditative Kunst

Meditative Kunst wurde in verschiedenen Epochen in verschiedenen Kulturen praktiziert. Schon immer drückten Mystiker, Schamanen oder Heilige ihre inneren Erfahrungen durch Kunst aus. Kunst erwies sich als sehr gutes Medium, um innere Erlebnisse darzustellen. In diesem Artikel möchte ich vier Beispiele spiritueller Kunst mit sehr unterschiedlichem kulturellen Hintergrund aufzeigen.

Spirituelles Malen

- Zen-Malerei

Die Zen-Malerei ist eine ausgeübte monochrome Tuschmalerei, die in Japan Sumi-e oder Suiboku-ga genannt wird. Diese Art von Malerei wird seit dem 12. Jahrhundert von Zen-Mönchen in China und Japan ausgeübt. Diese Mönche und Nonnen greifen zu Pinsel und Tusche, um ihren unmittelbaren Meditations-Erlebnissen Ausdruck zu verleihen. Der Stil vereint ein Maximum an Technik mit einem Minimum an Planung und Überlegung. Die Zen-Malerei orientiert sich in erster Linie an der Natur. Als Hilfsobjekte dienen zum Beispiel Vögel, Pflanzen, Felsen oder Berge. Konkrete Darstellungen lehnt der Zen indessen ab. Er bemüht sich darum, die Erfahrungen selbst, nicht aber die Ideen, die sich aus ihnen ableiten, ins Bild zu fassen. Klassische Zen-Malerei ist absichtslos im Bezug auf die Wirkung der Bilder. Die Gemälde entstehen einerseits aus der Meditation heraus, andererseits regen sie Betrachter und Betrachterin zur Meditation an.

- Ikonenmalerei

Die Ikonen, die wir aus den Ostkirchen kennen, sind zweidimensionale Gemälde und stellen Tore zu höhere Welten dar. Ikonenmalerei wird nicht als Kunst sondern als religiöses Handwerk angesehen. Der Maler sieht sich aus Werkzeug Gottes, er signiert die Ikonen nicht. Ikonen wurden und werden von Mönchen und anonymen Künstler gemalt, die für die Kirche arbeiteten. Sie dienen als direktes Fenster zur Wirklichkeit Gottes. Mit der Betrachtung der Ikone im Gebet erfährt man die Anwesenheit Gottes. Das auf der Ikone erscheinende Antlitz Christi, der Gottesmutter, der Heiligen ist also echte Erscheinung, Selbstabbildung, Selbstabdruck der himmlischen Urbilder; durch die Ikone offenbaren sich die himmlischen Gestalten der Gemeinde und vereinigen sich mit ihr.

- Mandalas

Das Erstellen von Mandalas mit farbigem Sand ist eine alte Tradition im tibetischen Buddhismus. In der Regel ist ein Mandala ein symmetrisches, auf die Mitte konzentriertes, Diagramm, aufgebaut aus Kreisen und Quadraten, deren Mitte mit dem Mittelpunkt der Kreise zusammenfällt. Es stellt eine kosmologische Weltordnung dar, die ihrer Natur nach rein ist. Die Sandmandalas werden von tibetischen Mönchen in tiefer Kontemplation mit Metalltrichtern gestreut. Sie haben als Hilfsmittel nur ein Netz von markierten Linien und die markierten Plätze der einzelnen Buddhas. Die Fertigstellung des Mandalas nimmt mehrere Tage in Anspruch. Am Schluss wird das Mandala weggewischt und der Sand bei einer Zeremonie dem fließendem Wasser übergeben, was die Vergänglichkeit des Lebens symbolisiert.

- Jharna Kala

Jharna Kala nennt Sri Chinmoy, ein in New York lebender Künstler und Meditationslehrer, seine Kunst. Jharna Kala heißt so viel wie Quellenkunst. Sri Chinmoys Malereien entstehen völlig intuitiv aus der Spontaneität des Augenblicks heraus, indem er sich dem Strom kreativer Energie übergibt. Sri Chinmoy selbst beschreibt diesen Schaffensprozess als ein Fließen der Kreativität aus der inneren Quelle, die tief in jedem Menschen verborgen liegt. Den Schwerpunkt seiner Bilder bilden einerseits Serien von stark vereinfachten, Zen-ähnlichen Vogelzeichnungen und anderseits abstrakte, von pulsierender Energie erfüllter Gemälde. Mehr zu seiner Kunst findet man auf der Website:
http://www.srichinmoyart.com/deutsch